Die Gesundheitsversorgung in Skandinavien hat einen sehr guten Ruf. Wegen besserer Arbeitsbedingungen zieht es viele ÄrztInnen und Pflegepersonal nach Schweden oder Norwegen. Aber wie sieht es aus Patientensicht aus? Wie ist das Gesundheitswesen in den nordischen Ländern organisiert? Wohin wende ich mich für Vorsorge, Kontrollen oder im Notfall? Das schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Wie funktioniert die medizinische Versorgung?
In Schweden
In Schweden wird die gesundheitliche Versorgung sowohl auf regionaler als auch auf kommunaler Ebene organisiert. Die 21 Regionen sind zuständig für Krankenhäuser und Gesundheitszentren, die sogenannten Vårdcentraler. Sie stellen die akute Versorgung sicher. Die Kommunen sind für die angrenzenden Bereiche zuständig, also zum Beispiel Altenheime und Pflegedienste. Die medizinische Versorgung wird in Schweden von öffentlichen Mitteln finanziert. Wer angestellt arbeitet, zahlt automatisch in die Krankenkasse ein und ein nicht unerheblicher Teil der Steuergelder fließt ins Gesundheitssystem.
Nur weil du automatisch versichert bist, heißt das jedoch nicht, dass keine Kosten mehr auf dich zukommen. Für einen normalen Arztbesuch zahlst du je nach Kommune zwischen 100 und 150 Kronen, bei einem Spezialisten können es bis zu 400 Kronen sein. Die Eigenleistung ist allerdings gedeckelt. Im Jahr musst du maximal 1450 Kronen selbst bezahlen. Das gleiche Prinzip gilt bei Medikamenten. Bis zu einem Betrag von 2950 Kronen musst du Medikamente selbst zahlen, was darüber hinaus geht, wird von der staatlichen Versicherung übernommen. Den Zahnarzt in Schweden zahlst du übrigens komplett privat. Nur für Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre ist der Zahnarztbesuch in Schweden kostenlos. Es gibt allerdings Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung über den 20. Geburtstag hinaus,
In Norwegen
Auch in Norwegen sind Regionen und Kommunen für die Gesundheitsversorgung zuständig. Die Kommunen sind verantwortlich für die Primärversorgung, sprich Hausarzt, Therapeuten, Schulkrankenschwestern usw. Die vier Gesundheitsregionen kümmern sich um Krankenhäuser und Ambulanz. Gut 10% des Bruttoinlandsprodukts fließen in Norwegen ins Gesundheitswesen. Wie in Schweden zahlst du auch hier einen Eigenanteil, auch wenn der Großteil der Behandlungskosten übernommen wird. Im Jahr zahlst du maximal 3278 NOK für anerkannte öffentliche Gesundheitsleistungen. Beim Hausarzt kann sich der Betrag unterscheiden, je nachdem, ob du vormittags oder abends die Praxis aufsuchst. Der Zahnarztbesuch in Norwegen ist für Kinder bis 18 Jahre kostenlos. Für junge Erwachsene bis 24 Jahre gibt es häufig Vergünstigungen, teilweise bis zu 75% Rabatt. Ab 25 Jahren zahlt man den Zahnarzt privat, wobei die einzelnen Praxen ihre Preise selbst ansetzen können.
Anspruch auf Gesundheitsleistungen in Schweden und Norwegen
In Schweden
Wenn du dich beim Skatteverket registriert und deine Personnummer erhalten hast, bist du automatisch krankenversichert und hast den gleichen Zugang zur ärztlichen Versorgung wie die Schweden.
In Norwegen
Hier bekommst du Zugang zu den Leistungen über eine Mitgliedschaft in der norwegischen Sozialversicherung (Folketrygden). Diese bekommst du in der Regel, wenn du in Norwegen arbeitest oder in Norwegen wohnst und mindestens 12 Monate Aufenthalt planst. Wenn du einen Job in Norwegen hast, läuft die Registrierung bei Folketrygden automatisch. Man kann sich aber auch freiwillig versichern. Wenn du planst, auszuwandern, sollte die Mitgliedschaft im n der Folketrygden automatisch laufen. Frag notfalls aber noch einmal nach, wenn du dich anmeldest.
Wie finde ich einen Hausarzt?
In Schweden
In Schweden gibt es keine Hausarztpraxen, wie wir sie kennen. Dafür gibt es in so ziemlich jedem Wohngebiet die sogenannte Vårdcentral. Das sind Gesundheitszentren, wo mehrere ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen und TherapeutInnen arbeiten, die sich um die akuten oder chronischen Beschwerden der Menschen kümmern. Wenn du also beispielsweise eine Erkältung oder Grippe hast, vereinbarst du einen Termin bei der Vårdcentral.
In der Regel nimmt man da die nächstgelegene, das ist aber keine Pflicht. Du kannst auch zu einem anderen Gesundheitszentrum gehen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo du deinen persönlichen Hausarzt hast, triffst du in der Vårdcentral unterschiedliches Personal, je nachdem, wer gerade Dienst hat. Es kann also gut sein, dass dich bei deiner Erkältung im Frühjahr jemand anders behandelt als bei der Magen-Darm-Grippe im Winter.
In Norwegen
Wenn du im norwegischen Folkeregister als Einwohner einer norwegischen Kommune registriert bist, bekommst du auch einen Hausarzt, den Fastlege, zu geteilt, der nah deines Wohnorts ist. Es steht dir allerdings frei, einen anderen zu wählen, wenn z.B. in deiner Kommune ein Mangel an Fastlege herrscht. Einfache Konsultationen kann die Hausärztin übrigens an eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger delegieren.
Das Gesundheitssystem in Skandinavien ist anders organisiert als in Deutschland, wodurch sich viele Abläufe massiv unterscheiden. Im Durchschnitt gehen die Skandinavier weniger zum Arzt als die Deutschen. Das liegt unter anderem auch daran, dass PatientInnen in Schweden und Norwegen vieles selbst und digital erledigen können, oder dass durch eine telefonische Beratung erst einmal geklärt wird, ob überhaupt eine ärztliche Konsultation notwendig ist. Insgesamt ist die medizinische Versorgung in beiden Ländern sehr gut. Aber auch in Skandinavien musst du, je nach Wohnort, mitunter mehrere Monate auf einen Facharzttermin oder eine OP warten. Das System ist also auch dort nicht perfekt, aber insgesamt bist du ärztlich in Schweden und Norwegen gut versorgt.
Bist du selbst im medizinischen oder pflegerischen Bereich tätig und möchtest nach Skandinavien auswandern? Dann lad dir unsere kostenlose Checkliste für medizinisches Personal in Schweden runter. Und schau

